England im Winter, eine Reise in den Frühling auf die Isles of Scilly
Wer an England denkt, dem fallen wohl am ehesten rote Doppeldeckerbusse oder mit Essig versetzte "Fish and Chips" ein.
Doch es gibt mehr als nur das und wer das Atlantische Wetter nicht fürchtet ist auch im Winter bei frühlingshaften Temperaturen im südenglischen Cornwall gut aufgehoben.
Die Reise führt zu den vor der Südwestküste Englands gelegenen Isles of Scilly.
Cornwall und die Isles of Scilly bieten dem Besucher zu jeder Jahreszeit eine Fülle an Möglichkeiten dem Alltag zu entfliehen, und an malerischen Stränden und auf verschlungenen Wanderwegen Ruhe und Entspannung zu finden. Die Anreise erfolgt mit dem Flugzeug am einfachsten über London Stansted und Newquey und anschliessend mit dem Skybus weiter zu den Isles of Scilly. Die Flüge nach London und Newquey werden von den meisten Europäischen Fluggesellschaften bedient; wer preiswert fliegen möchte, findet ein breites Angebot von "Low Cost Fliegern" im Internet. Man sollte bei den Zwischenstopps in Stansted und Newquey genügend Zeit zum umsteigen einplanen. Wer auf die Isles of Scilly weiterreist, sollte dies von Newquey mit dem "Skybus" oder von Penzence mit dem Helikopter tun. Überflüge kosten, je nach Jahreszeit, um die 100 Euro und können bei den regionalen Anbietern per Internet oder Telefon gebucht werden (islesofscilly-travel.co.uk). Das Gefühl des "freien Fliegens" stellt sich auf dem 30 minütigen Flug nach St. Marys, der Hauptinsel der Isles of Scilly ein. Die Propellergetriebenen zweimotorigen Maschinen fliegen in maximal 1000 Meter Höhe und bieten einen atemberaubenden Blick auf die Landschaft und die wildromantische Küste von Cornwall.
Wer in Newquey oder Penzence seine Reise durch Cornwall beginnt, sollte sich in Deutschland an das Britische Touristenbüro (visitbritain.com) wenden um Reiseroute und Unterkünfte vorab zu planen. Grundsätzlich sind aber fast überall kurzfristig Übernachtungsmöglichkeiten auf Anfrage zu bekommen. Wer an einem Platz bleiben, und Ausflüge in die Umgebung unternehmen möchte, der sollte in Penzence oder Truro Halt machen.
Penzence, direkt an der Südküste gelegen bietet im Sommer unter anderem Ausflüge per Boot zu Sehenswürdigkeiten in der Umgebung an. Besonders, auch im Winter, lohnt sich ein Trip zu St. Michael´s Monument oder einfach ein Bummel durch die Market Street und Chapel Street, mit Ihren Geschäften und einer, fast Londoner Verhältnissen gleichenden Geschäftigkeit. Besonders Sehenswert ist die Kapelle in der Church Street und die Gebäude im viktorianischem Stil entlang der Market Street.
Truro, im Landesinneren gelegen, bietet neben jeder Menge traditioneller Baukunst aus Naturgranitstein eine gute Ausgangsbasis für Ausflüge in die Umgebung, entweder per Fahrrad oder Mietwagen. Die hügelige Landschaft mit Ihren kleinen Felder, und rustikalen Mauern aus Naturstein läd zu einem spontanen Picknick abseits der wenig befahrenen Strassen ein. Unter der Woche sind die Geschäfte überwiegend von 9:00 bis 17:00 geöffnet.
Der Zielflughafen der Isles of Scilly liegt auf der Hauptinsel St. Marys. Von hier werden auch Weiterflüge zur Nachbarinsel Tresco per Helikopter angeboten. Ein Shuttelservice verbindet den Flughafen mit dem Hauptort Hugh Town. Dazu gibt es einen gut ausgebauten Taxiservice.
Die Touristeninformation befindet sich in der Hugh Street in Hugh Town (Tel.: 0044-1720-422536). Hier können Individualtouristen auch direkt am Anreisetag eine Unterkunft finden. Man sollte jedoch darauf achten, dass in den Monate Januar bis März die Öffnungszeiten des Tourismusbüros eingeschränkt sein können. Im Zweifel läßt sich die Unterkunft vorab über das Internet buchen (simplyscilly.co.uk). Wer nicht von zu Hause aus buchen will, kann dies auch über freie Internetterminals an den meisten größeren Flughäfen und Hauptbahnhöfen in ganz England tun.
Die Landung mit dem Flugzeug auf St. Marys ist bei windigem Wetter ein kleines Abenteuer. Die Turbulenzen verlangt von den erfahrenen Piloten ein hohes Maß an fliegerischem Geschick und man ist zugegebener Maßen froh, wenn man wieder festen Boden unter den Füssen hat.
Vor dem niedrigen Gebäude des Flughafens warten meistens schon Sammeltaxis die den Besucher zu ihren Unterkünften bringen. Ein zunächst unübersichtliches Gewirr von kleinen und kleinsten Strässchen empfängt den Besucher. Die Natursteinmauern der nahen Felder rücken derart nah an die Fahrbahn heran, dass oftmals nur ein Auto zwischen Ihnen Platz hat. Die hügelige Landschaft mit ihren kleinen, eingerahmten Wiesen bietet an einigen Stellen einen beeindruckenden Blick über die grüne Insel und die rauhe Küste bis hinaus aufs Meer. Die meisten Felder werden landwirtschaftlich genutzt. Der Anbau von Narzissen wird von den meisten Farmern auf Scilly betrieben. In den Wintermonaten werden die Blumen, die auf Grund des milden Golfstrom-Klimas wachsen geerntet und in die EU-Länder exportiert. Bei der Fahrt zur Unterkunft eröffnet sich so dem Besucher ein Blick auf diese in gelb und weiß blühenden Narzissenfelder.
Wer kein festes Quartier beziehen will, kann auf Scilly auch campen. Der Campingplatz liegt in unmittelbarer Nähe der Festungsanlage, auf einem der Hügel über dem Hauptort Hugh Town. Im Winter ist jedoch, auf Grund des stetigen Windes zu einer festen Unterkunft zu raten.
Alle Gäste werden von den Scillonians freundlich empfangen. Dies gilt um so mehr in der touristischen Nebensaison die die Scillys und die Scillonians in einem besonderen, ursprünglichen Maß für den Besucher erfahrbar machen. Sei es im Zeitungsladen in den schmalen Gassen von Hugh Town oder bei einem entspannenden Bier im Pub am Hafen. Immer wird man auf offene, neugierige Menschen treffen, die zu einem kleinen Plausch aufgelegt sind.
Die meisten Unterkünften sehen Selbstversorgung für den Besucher vor. Der Inseleigene Supermarkt bietet hierfür eine breite Fülle an unterschiedlichen Produkten zur Auswahl an.
Unbedingt sollte man die Zeit zu einem oder mehreren Ausflügen per Boot zu den Nachbarinseln nutzen. Abgeschiedenheit, Ruhe und eine unberührte Natur erwarten den Besucher. Bei der Organisation der Ausflüge bedarf es jedoch manchmal ein wenig Eigeninitiative. Im Regelfall werden die Touren aber auf Anfrage angeboten.
Sollten Geschäfte geschlossen oder Ausflugsangebote nicht direkt verfügbar sein, empfiehlt es sich, entweder direkt die Scillonians zu Fragen, oder die in den meisten Fällen hinterlassene Telefonnummer auf der Insel anzurufen. Im Regelfall lässt sich auf diesem Wege der gewünschte Ausflug problemlos organisieren.
Wem nach der Ankunft und dem Bezug der Unterkunft der Magen knurrt findet eine grosse Auswahl an frische Sandwitches im Cafe in der Garrison Lane. Warmes Essen gibt es traditionell erst am Abend. Die Pubs in der Hugh Street und Silver Street bieten eine gute Auswahl an traditioneller Seafood, aber auch Gerichte für den kontinentalen Gaumen an.
Wer nicht direkt in "Town" wohnt sollte sich für seine Ausflüge über die Insel ein Fahrrad mieten. Die Entfernung sind per Drahtesel einfach zu bewältigen und die Dauerbenutzung von Taxen kann nach kurzer Zeit ziemlich ins Geld gehen. Alternativ kann auch der örtliche Bus in Anspruch genommen werden. Fahrräder sind im Laden in The Strand zu mieten. Sollte der Laden geschlossen sein, einfach, die Telefonnummer im Schaufenster anrufen.
Wer sich sein Transportmittel und sein "Lunch" organisiert hat der sollte auf Entdeckungstour gehen. In "Town" bietet sich dafür die alte Ganison an. The Garrison, ein Überbleibsel aus viktorianischer Zeit trohnt über der Stadt und wer den steilen Anstieg nicht scheut wird mit einem wunderschönen Blick über den Hafen und die Inseln Samson, Bryher und Tresco belohnt. Star Castle Hotel oder der Ganisons Pub laden zum verweilen ein. Ein Rundweg führt, an der Töpferei vorbei zur letzten Geschützbatterie der Scillys und an seinem Ende wieder hinauf zur Festung. Vormittags sollte man unbedingt einen kurzen Stopp in der Töpferei einlegen, Besuch ist immer herzlich willkommen.
Von der Garnison führt der Weg zurück durch die Stadt und am anderen Ende die steile Church Street hinauf. Auf der anschliessenden Abfahrt Richtung Old Town lohnt ein kurzer Abstecher zum alten Friedhof. Dieser liebevoll, unter dichten Bäumen gelegenen Ruheplatz mit einer kleinen Kapelle und einem Blick auf Old Town Bay gewährt dem Besucher einen Einblick in die Seele der Insel.
An der Kaimauer entlang geht es danach weiter zum Old Town Inn, wer will kann hier eine Pause einlegen und im Pub eine kleine Stärkung zu sich nehmen. Direkt an der Old Town Lane gelegen befindet sich auch die zweite der Scilly-Töpfereien.
An der Abzweigung geht es rechts auf der Carn Friars Lane zu Porthellick House, hier wartet ein schöner Blick über den Südteil der Insel mit seiner ursprünglichen Natur und den am Straßenrand vom Wind gebeugten Fichten.
Auf der anschließenden Abfahrt in Richtung Lunnon Farm hat man auf der rechten Seite die Möglichkeit den "Nature Trail" zum Strand von Porth Hellick zu benutzen. Dieser Pfad wurde vom örtlichen Naturschutzverein dem Nature Trust angelegt und bietet einen Einblick in die Tier und Pflanzenwelt der Insel. Einige Teile des "Nature Trail" sind leider nicht per Rad zu befahren. Es empfiehlt sich die Räder etwas abseits der Strasse stehen zu lassen und den "Trail" per Fuß zu erkunden. Der Weg endet am Strand von Porth Hellick; hier findet sich auch ein Erinnerungsstein an eine bedeutende Schiffskatastrophe, wie es viele in der Inselgeschichte gibt, und eine interessante Anekdote über die 2004 während eines Unwetters gestrandete "Blue Thunda"; beide Geschichten sind sehr lesenswert.
Neben den beiden Schiffskatastrophen findet man dort den Camel Rock, ein großer Granitfelsen. Im Sommer findet an dieser Stelle das "Camels Rock Festival", ein großes Open-Air-Rockfestival statt, ein guter Grund im Sommer wiederzukommen.
Vom Camels Rock gelangt man über einen steilen Anstieg zu einer Steinzeitlichen Beerdingsstätte und weiter, entweder direkt an der Küste oder an Carn Friars Farm vorbei zum "Deep Point"; oder, wer will kann aber auch vorher wieder zurück zur "Hauptstrasse" abzweigen.
Wer auf der Hauptstrasse bleibt kommt nach einiger Zeit zum St. Marys Riding Center, wer hier seinen Drahtesel gegen ein Pferd eintauschen möchte hat die Möglichkeit die Insel von einer ganz anderen Seite zu erleben. Erkundungstouren unter professioneller Anleitung können auf Anfrage organisiert werden.
Gegenüber vom Riding Center bietet der Carn Vean Tea Garden die Möglichkeit zur Rast. Wer an der Abzweigung die Pelistry Lane runter fährt gelangt zum weißen Sandstrand von Pelistry Bay und der Halbinsel Tolls Island.
Wenn auch das Wasser nicht unbedingt zum Baden einlädt so ist doch ein Abstecher auf die Halbinsel ein Muß. Die Felsen direkt am Wasser laden nicht nur zum Träumen ein, sondern bieten auch einen fantastischen Blick auf die Nachbarinseln. Wer will kann aber auch beides tun.
Besonders zu empfehlen ist eine Halbtages-Tour entlang der Küste von Bar Point aus.
Hierzu, am besten mit dem Bus oder dem Rad bis zur Radio Station im Norden der Insel fahren. Die Räder abstellen und zu Fuss den Mac Farland Down entlang Richtung Strand gehen. An der ersten Möglichkeit dann Richtung Bar Farm abzweigen und durch den lichten Pinienwald zum Strand von Barpoint.
Durch die weißen Dünen dem Pfad an der Küste folgen, an Watermill Cove vorbei, einem steilen Einschnitt in der Küstenlinie, gelangt man so nach Tolls Island. Wer dem Pfad weiter folgt erreicht nach einiger Zeit wieder Deep Point und kurz danach Porth Hellick.
Wer in seine Wanderroute ein bisschen Abwechslung bringen möchte der sollte an der Westküste auf Entdeckungsreise gehen. Abstecher vom Strand zum Garden Restaurant, der Parfumery und der Glandore Gallery bieten sich dafür an. Hugh Town bietet auch am Abend für den der noch nicht müde ist unterschiedliche Veranstaltungen, von lokalen Theateraufführungen bis hin zum 24-Stunden-Dauerruder-Wettbewerb. Nähere Informationen bekommt man auch hier entweder bei der Touristeninformation oder, wie meistens, dem freundlichen "Scillonian" von nebenan.
Wer jetzt Lust bekommen hat, dem deutschen Winter ein Schnippchen zu schlagen sollte den Weg nach Norden einschlagen; denn dort wartet bereits der Frühling.
Peer Hellwig